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Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel

Betriebsportrait Martin - Grünlandbetrieb Bergregion

 

1 Betriebsspiegel Martin

 

Die Familie Martin bewirtschaftet ihren Grünlandbetrieb mit 2,0 AK nach den Richtlinien des Biologischen Landbaus. Der Betrieb liegt im Großen Walsertal (Vorarlberg) auf einer Höhe von 1240mü. M. mit einer mittleren Jahres-Niederschlagsmenge von 2000mm. Temperatur-Monatsmittel: zwischen -2,6°C und 14,3°C.

 

Auf der Betriebsfläche von 27 ha Dauergrünland hält der Betrieb insgesamt 6 Ziegen und 18 Milchkühe mit Nachzucht und erzeugt Milch und Fleisch.

 

Besonderheiten

Der Betrieb liegt im Biosphärenpark Großes Walsertal. Der Betrieb betreibt eine kleine Photovoltaik-Anlage.

 

Kontaktdaten des Betriebs

Stefan und Christiane Martin

Mittelberg 8, 6733 Fontanella (Österreich)

Tel.+43 664 50 35 094, Email stefan.martin@aon.at

 

2 Betriebliche Energie- und Treibhausgasbilanz

 

2.1 Energieverbrauch und erzeugte Energie

Der Energieverbrauch des Betriebs lag bei insgesamt 611 Gigajoule (GJ), dies entspricht 17.316Litern Diesel-Äquivalent und 22,6 GJ pro Hektar LN. Der Anteil direkter Energie entsprach 67%bzw. 412 GJ. Der Verbrauch von direkter Energie liegt somit bei 15,3 GJ pro ha.

 

Dem gegenüber steht eine Gesamtenergie-Entnahme aus dem Betrieb in Form von Milch und Fleisch und Strom in Höhe von 423 GJ, was 12.003 Litern Diesel-Äquivalent entspricht. Insgesamt weist der Betrieb damit eine negative globale Energieeffizienz auf (Faktor 0,69).

 

Die Posten mit dem höchsten Energieverbrauch sind:

  • Direkte Zufuhr: Strom 34% (Melkanlage, Milchkühlung, Heubelüftung, Licht, Güllerührwerk, Brauchwasser)
  • Direkte Zufuhr: Brennstoff/Kraftstoffe 33%
  • Indirekte Zufuhr: Zukauffutter 16% (Misch-Kraftfutter und Heu)

 

2.2 Treibhausgas-Emissionen und Kohlenstoffspeicherung

Die gesamten Treibhausgasemissionen belaufen sich auf 118 t CO2eq bzw. 3,3 t CO2eq/ha. 67%der Emissionen stammen aus der Tierhaltung, die restlichen Emissionen entfallen auf die eingesetzte Energie (26% Diesel und Strom) und die landwirtschaftlichen Böden (13%). Die Kohlenstoffspeicherung durch das Dauergrünland und Bauholz beträgt 29 CO2eq.

 

3 Maßnahmenplan

 

3.1 Energie und Treibhausgase einsparen

 

Bereits umgesetzte Maßnahmen oder in Umsetzung

 

  • Energiesparende Beleuchtung: 2013 wurde die Beleuchtung im Stall und auf dem Betriebsgelände teilweise auf LED-Lampen umgestellt. Dadurch werden jährlich rund 1.000kWh eingespart (entspricht 10,4 GJ).

 

  • Energiesparende Vakuumpumpe: Eine solche Pumpe wurde ebenfalls 2013 installiert.

 

  • Kraftfutterreduktion und Verbesserung der Lebensleistung: Durch die schrittweise Umstellung von Swiss Brown auf Original Braunvieh (weniger Milch aber genügsamer im Futterbedarf) kann der Kraftfutterbedarf verringert werden. Zudem erhöht sich die Anzahl der Laktation je Milchkuh. Inzwischen sind bereits 50% des Milchviehbestands Original Braunvieh. Langfristig sind 100% geplant. Dadurch sinkt zwar der Milchertrag um etwa10%, dafür vermindert sich aber auch der Kraftfutterbedarf um gut 30%. So entstehen ein Energiegewinn von ca. 11,9 GJ und eine THG-Einsparung von 3,3 CO2eq.
 
  • Kraftfutterreduktion: Durch die Installation einer Heutrocknung verbesserte sich die Futterqualität. Damit konnte der Kraftfutterbedarf von 16 auf 11 Tonnen verringert werden. Durch die Heutrockung steigt der jährliche Energiebedarf um 5.000 kWh(52 GJ). Dafür werden rund 5 Tonnen Kraftfutter eingespart, was einen Energiegewinn von 35 GJ und eine THG-Einsparung von 3,1 t CO2eq bedeutet.

 

  • Gülleausbringung mit Verschlauchung: Die Gülle wird auf den Hof nahen Flächen mit Verschlauchung ausgebracht. Bei weiterentfernten Flächen oder bei schlechter Befahrbarkeit der Flächen wird die Gülle aber noch konventionell mit Hochdruck ausgebracht.
 

Geplante Maßnahmen

 

  • Brauchwasser-Erwärmung: Bei Milchviehbetrieben muss die frisch gemolkene Milch innerhalb von 3 Stunden auf 4°C heruntergekühlt werden. Dies erfolgt zumeist durch elektrische Kühlaggregate. Zudem wird nach jedem Melkgang heißes Wasser zur Reinigung der Melkanlage benötigt, welches in Durchlauferhitzern aufgeheizt wird. Zur Stromeinsparung kann zuerst der Milch über einen Wärmetauscher die Wärme entzogen und mit dieser Wärme das Wasser vorgeheizt werden. Nur die restliche Kühlung der Milch und die Erhitzung des Wassers auf die benötigte Endtemperatur müssen dann noch elektrisch erfolgen. Im Betrieb Martin wird das benötigte Brauchwasser im Sommer bisher elektrisch erhitzt. Der Betriebsleiter sieht die Möglichkeit, dies zukünftig durch die Nutzung von Erdwärme oder durch eine Wärmerückgewinnung zu machen. Die Umsetzung muss allerdings in die Investitionspläne des Betriebs eingepasst werden.
 

3.2 Anpassung an den Klimawandel

 

Bereits umgesetzte Maßnahmen oder in Umsetzung

 

  • Nachtweide: Bei großer Hitze lässt man die Tiere nachts auf die Weide. An den Standortangepasste Kühe werden auch in Zukunft mit dem Hitzestress klar kommen. Hochleistungskühe werden an diesem Standort vermutlich mehr Probleme bekommen. Bauliche Veränderungen und Belüftungen im Stall sind wegen der Sommer-Alpung und der geringen Tierzahl kein Thema bei der Betriebsplanung.

 

  • Sicherung und Erhöhung der betrieblichen Schlagkraft. Immer mehr Flächen müssen mit immer weniger AK bewirtschaftet und geerntet werden. Wichtig ist in Zukunft, dass der Betrieb eine hohe Schlagkraft v.a. in der Erntephase hat. Die Managementanforderungen nehmen zu.
 

Geplante Maßnahmen

 

  • Verbesserung der Energieeffizienz: Insgesamt ist der Energieeinsatz recht hoch. Bei steigenden Preisen für Diesel und Strom ist die Verbesserung der Effizienz ein wichtiges Thema in der Zukunft.

 

  • Erneuerbare Energien: Eine Erweiterung der PV-Anlage ist denkbar, muss aber finanzierbar sein.

 

  • Standortangepasste Grünlandsanierung: Zukünftig müssen sich Grünlandbewirtschafter stärker als bisher mit der gezielten Ansaat von Grünlandsorten und –mischungen auseinandersetzen. Hier braucht es ein stärkeres Bewusstsein und entsprechend mehr Information, Beratung und Bildung, v.a. wenn es um die Bewirtschaftung eher trockener Standorte geht. Zielführend ist eine größere Vielfalt im Grünland und die Aussaat entsprechender „breiter“ Mischungen, um damit auch das Risiko von Ertragsminderungen zu verringern. Wichtig ist eine gute Mischung aus ertragsstarken Gräsern und Tiefwurzlern, die eine gute Befahrbarkeit ermöglichen. In naher Zukunft plant die Familie Martin keine weiteren klimawandelbedingten Anpassungen. Das bestehende Betriebskonzept ist das Ergebnis einer an den extremen Standort angepassten Bewirtschaftung, die insgesamt nur sehr wenige sinnvolle Veränderungen zulässt.

 

Ein Projekt der IBK Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Umwelt.

Datenerhebung und Redaktion: Bodensee-Stiftung

Dieses Projekt wird gefördert durch:

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